[ objective-view ]
Die schlafenden Einhörner des Hafens – oder: Wenn Segelboote zu schwebenden Spaghetti werden
Am Horizont küsst das Abendrot den Himmel, als hätte es sich extra für diesen Moment die zartesten Töne von Lavendel und flüssigem Silber herausgesucht. Die Stille ist so dicht, dass man meinen könnte, die Luft selbst hält den Atem an – nur unterbrochen vom leisen Plätschern der Boote, die wie schlafende Riesen im Wasser liegen. Ihre Masten strecken sich in den Himmel, als würden sie nach den letzten Lichtfetzen des Tages greifen, die sich wie vergessene Münzen über den Wellen verteilen. Plötzlich erinnert alles an eine geheimnisvolle Versammlung von schwebenden Spaghetti, die sich nach einem magischen Fest langsam wieder in ihre Schalen zurückziehen. Und irgendwo zwischen den Schatten und dem letzten Strahl der untergehenden Sonne flüstert das Meer eine Geschichte, die niemand ganz zu verstehen scheint – vielleicht, weil sie nur für die gehört ist, die genau hinschauen.